Uncover liegen Aufnahmen aus Schweinebetrieben vor, die massive Verstöße beweisen.
Uncover liegen Aufnahmen aus einer Schweinemast in Sachsen-Anhalt und einem Schweinezuchtbetrieb in Sachsen vor, die massive Verstöße gegen geltendes Tierschutz- und Brandschutzrecht beweisen. Die Schweinemast in Sachsen-Anhalt mit über 20.000 Schweinen stellt systematisch nachts das Trinkwasser ab. Der sächsische Ferkelzuchtbetrieb kann nur durch systematischen Gesetzesbruch aufrechterhalten werden: hochschwangere Sauen werden hier dauerhaft in winzigen Kastenständen eingesperrt, ihre grundlegenden Bedürfnisse komplett ignoriert.
Schweinemast in Sachsen-Anhalt: Nachts ohne Trinkwasser
Zwischen Feldern und Bäumen stehen etwa ein Dutzend graue Hallen mit Futtersilos, eine riesige offene Güllegrube und zwei grüne Kuppeln einer Biogasanlage. Hier werden Schweine gemästet, um sie anschließend für die Fleischproduktion in einem Schlachthof zu töten. Uncover veröffentlicht erstmals Aufnahmen aus dem Inneren dieser Anlage.
Völlige Dunkelheit
In den Hallen ist es stockfinster, als das Recherche-Team das Innere betritt. Schon in diesem Moment fällt der erste Rechtsverstoß auf: Die Schweine werden nachts standardmäßig in völliger Dunkelheit gehalten. Das ist illegal, denn laut gesetzlicher Vorgabe müssen sie zumindest so viel Licht in der Nacht erhalten, dass sie sich orientieren können.
Kein Wasser für Mastschweine
Die Aufnahmen aus dem Betrieb belegen weitere erhebliche Tierschutzverstöße: Viele der automatischen Tränken sind völlig falsch platziert. Sie sind nicht separat von der Futterstelle montiert, sondern befinden sich direkt über dem Futtertrog. Ob die Tiere überhaupt trinken können, testen die Aktivist*innen mehrere Nächte nach und nach – mit erschreckendem Ergebnis: keine einzige der getesteten Tränken für ausgewachsene Tiere funktioniert, aus ihnen kommt kein Wasser. Lediglich bei den jüngsten Tieren fließt es.

„Die defekten Tränken verhindern, dass die Schweine Wasser trinken können“, sagt Tierärztin Marietheres Reinke von Expertise for Animals. „Die Schweine leiden unter dem Durstgefühl und dem physiologischen Wassermangel.”
Steckt dahinter Kalkül? Denn das Durstgefühl führt dazu, dass die Schweine versuchen, ihren Durst auf andere Weise zu stillen. Da ihnen nur Flüssigfutter angeboten wird, fressen sie mehr davon. Und nehmen dadurch schneller Gewicht zu.
Die Aufnahmen belegen einen weiteren, besonders widersprüchlichen Missstand: Während zahlreichen Schweinen der Zugang zu Trinkwasser fehlt, fließen infolge eines schweren Wasserschadens große Wassermengen ungehindert in den Mittelgang.
Verletzte Schweine in den Buchten
Die Bilder legen offen, dass hier viele Schweine mit schweren Verletzungen und Erkrankungen leben. Bei keinem der betroffenen Tiere sind Anzeichen von tierärztlichen Behandlungen zu sehen.
Zahlreiche Tiere leiden unter blutig abgekauten und entzündeten Schwänzen. Einige sind so hochgradig davon betroffen, dass nur noch der Stumpf ihres Schwanzes vorhanden ist. Was übrig bleibt: Eine großflächige und tiefe Wunde, wo einmal ihr Schwanz war. Aus den klaffenden Wunden tritt Eiter aus; die abgekaute Schwanzbasis ist bereits von nekrotischem Gewebe durchsetzt. Besonders schockierend: In einem Fall reicht die Verletzung mehrere Zentimeter in die Tiefe. Die Tiere leiden unter extremen Schmerzen.

Viele Schweine müssen mit einer sogenannten Nabelhernie leben. Bei manchen ist der Nabelbruch so groß, dass die Gefahr besteht, dass Darmschlingen in der Bruchpforte einklemmen und es zu einem schmerzhaften Darmverschluss kommt. Es ist ein Spiel auf Zeit: Wird der Nabelbruch noch größer, kann es zu einem gefährlichen Darmvorfall kommen. Eine sofortige Operation wäre notwendig, lohnt sich für einen gewerblichen Schweinemäster allerdings nicht.

Ein jüngeres Schwein ist mager und liegt regungslos zwischen den anderen Tieren auf dem dreckigen Stallboden. Es ist tot. In der Enge laufen die anderen Jungschweine immer wieder über den toten Körper. Da ihnen in der kargen Bucht kaum Beschäftigungsmöglichkeiten bleiben, beginnen sie, den toten Körper zu untersuchen und teilweise daran zu kauen.

Ein etwas älteres Schwein liegt tot mit aufgeblähtem Bauch auf dem Spaltenboden. An seinem rechten Vorderbein wölben sich zwei große Beulen auf. Auf der unteren Beule befinden sich zwei kreisrunde, offene Wunden. Es muss bis zu seinem Tod starke Schmerzen erlitten haben.
Qualvolle Bedingungen in sächsischer Schweinezucht
Uncover liegen Aufnahmen aus einem zweiten Betrieb vor. Im benachbarten Bundesland Sachsen befindet sich ein Schweinezuchtbetrieb, in dem systematisch gegen geltendes Tierschutzrecht verstoßen wird.
Systematischer Gesetzesbruch: zu wenig Gruppenhaltung
Die Hallen sind gefüllt mit Kastenständen. Das sind körpergroße Metallkäfige, in denen Sauen gehalten werden. Das Ziel des Betriebes ist, möglichst viele Ferkel zu produzieren und an Mastbetriebe zu verkaufen. Uncover hat aus Stichproben in 2024 und 2025 festgestellt, dass in dem Zuchtbetrieb ein Großteil der Sauen rechtswidrig in Kastenständen gehalten werden. Die Haltungsverordnung sieht eigentlich vor, dass Sauen während ihrer Schwangerschaft etwa 80 Tage in Gruppenhaltung gehalten werden müssen. Die Zucht müsste eigentlich dreimal so viele Gruppenhaltungsplätze wie Kastenstandplätze vorhalten. Hier wird also bewusst ein Engpass in Kauf genommen.

Die Tierärztin Marietheres Reinke ordnet die Situation so ein: „Jeder Tag im Kastenstand ist für die Tiere eine Qual. Doch es ist besonders fatal, wenn die Sauen durchgängig in den Kastenständen gehalten werden. Ihre Körper verändern sich in der Trächtigkeit, jetzt würde ihnen Bewegung gut tun. Stattdessen müssen sie in den Kastenständen ausharren. Das widerspricht ihren biologischen Grundbedürfnissen.”

Uncover liegen Aufnahmen vor, die zeigen, wie hochschwangere Sauen in den kleinen Käfigen eingepfercht liegen. Ihre Bäuche drücken sich gegen die Metallstangen, ihre Beine strecken sie schräg durch die Stangen. Es gibt schlichtweg keinen Platz für ihre Körper in den Käfigen. Im Vergleich zur quälerischen Haltung im Kastenstand bietet die Gruppenhaltung zumindest mehr Platz. Allerdings bleiben auch so die Grundprobleme der industriellen Schweinehaltung bestehen: Dreckige Spaltenböden, karge Buchten, keine frische Luft und kein Sonnenlicht.

Gefährliche Blockade: Notausgänge versperrt
Neben den Tierschutzverstößen zeigt sich im Betrieb auch ein eklatanter Mangel an Sicherheit: Der Betreiber der Anlage setzt sich aktiv über geltende Brandschutzvorschriften hinweg. Acht von zehn Notausgängen im Betrieb sind dauerhaft mit Kunststoffplatten verschlossen. Damit verstößt der Betrieb gegen geltende Gesetze und setzt wissentlich das Leben von Arbeiter*innen und Tieren aufs Spiel. Im Falle eines Brandes oder anderer Notfälle könnten weder Menschen noch Tiere rechtzeitig fliehen. Die blockierten Fluchtwege machen deutlich, dass Sicherheit und Wohl der Lebewesen hier keine Priorität haben. Hier werden potenziell tödliche Folgen in Kauf genommen.
Fazit: Gesetze werden für Profit gebrochen
Die Aufnahmen aus den beiden Betrieben dokumentieren systematische Verstöße gegen Tierschutz- und Brandschutzvorschriften.
Schweine leiden unter fehlendem Wasser, schmerzhaften Verletzungen und mangelhafter medizinischer Versorgung. Die durchgängige Haltung in Kastenständen ignoriert grundlegende Bedürfnisse der Tiere. Notaus-gänge werden blockiert und Brandschutzvorschriften missachtet.

Die Missstände sind weder Einzelfälle noch unbeabsichtigte Versäumnisse, sie zeigen ein systematisches Ignorieren von Gesetzen. Die Behörden bleiben untätig. Währenddessen machen die Betreiber weiter Gewinne. Am Ende bezahlen die Tiere, die Umwelt und wir als Gesellschaft den Preis.
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